Medienmitteilung vom 3. Februar 2010
03.02.2010
Sprachkenntnisse – Bildungssystem reagiert auf wachsende Bedürfnisse der Berufswelt
Mit der zunehmenden Informations- und Dienstleistungsorientierung unserer Gesellschaft wachsen die sprachlichen Anforderungen an Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Ausbildungsstätten für Lehrpersonen und Schulen müssen und können auf diese steigenden Erwartungen reagieren. Ziel des vom 4. bis 6. Februar an der Universität Zürich stattfindenden Kolloquiums «Sprachkompetenz in Ausbildung und Beruf» ist es, Forschungserkenntnisse weiterzugeben und aktuelle Trends der Sprachforschung zu reflektieren. Die PH Zürich als lokaler Ausrichter freut sich, international führende Fachpersonen im Bereich Sprachkompetenz in Zürich begrüssen zu dürfen.
Mit der zunehmenden Informations- und Dienstleistungsorientierung unserer Gesellschaft wachsen die sprachlichen Anforderungen an Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Ausbildungsstätten für Lehrpersonen und Schulen müssen und können auf diese steigenden Erwartungen reagieren. Ziel des vom 4. bis 6. Februar an der Universität Zürich stattfindenden Kolloquiums «Sprachkompetenz in Ausbildung und Beruf» ist es, Forschungserkenntnisse weiterzugeben und aktuelle Trends der Sprachforschung zu reflektieren. Die PH Zürich als lokaler Ausrichter freut sich, international führende Fachpersonen im Bereich Sprachkompetenz in Zürich begrüssen zu dürfen.
Innerhalb des Schulsystems wurden in den letzten zehn Jahren starke Bemühungen unternommen, die Kompetenzen in den Fremdsprachen zu erhöhen – so zum Beispiel durch die Verankerung von Englisch in der Primarschule. «Dies ist eine Reaktion auf das Bedürfnis der Arbeitgebenden nach Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, welche nach der obligatorischen Volksschule Fremdsprachenkenntnisse aufweisen, die über Basiskompetenzen hinausgehen», erklärt Daniel Stotz, Fremdsprachendidaktiker an der Pädagogischen Hochschule Zürich (PH Zürich) und Mitorganisator des Kolloquiums. Sprachkompetenz bedeutet aber mehr als nur Fremdsprachenkenntnisse. Sie umfasst auch den sicheren Umgang mit neuen Formen von Sprache – sprich Chat, SMS, Blogs. «Berufstätige müssen heute in dieser Welt klarkommen und unterscheiden können, wann und für welche Zwecke sie welche Kommunikationsmittel einsetzen können», so Daniel Stotz.
Sprachkompetenz – Information und Transparenz erhöhen
Vor dem Hintergrund der steigenden Anforderungen in der Arbeitswelt werden vom 4. bis 6. Februar 2010 im Kolloquium «Sprachkompetenz in Ausbildung und Beruf» internationale Fachleute aus dem Bereich der Sprachkompetenz Erkenntnisse der Sprachforschung darlegen und auf Massnahmen für Ausbildungsstätten aufmerksam machen, wie auf die zunehmenden Erwartungen der Berufswelt reagiert werden kann. Organisiert und durchgeführt wird das Kolloquium von der Vereinigung für angewandte Linguistik in der Schweiz (VALS ASLA) und dem Zürcher Hochschulinstitut für Schulpädagogik und Fachdidaktik (ZHSF) – einem Institut der PH Zürich, der Universität Zürich und der ETH Zürich.
Ganz besonders möchte das Kolloquium das Interesse auf die Frage der Übergänge lenken – beispielsweise auf den Übergang von der Primar- in die Sekundarstufe wie auch von der Sekundarstufe zum Kurzzeitgymnasium. «Dort besteht die Gefahr, dass der kontinuierliche Kompetenzaufbau unterbrochen wird», erklärt Daniel Stotz. Bereits seien zum Beispiel die ersten Primarschülerinnen und -schüler in die Sekundarschule übergetreten, die schon seit der zweiten Klasse Englischunterricht haben. Wichtig sei, die Transparenz und die Verbindlichkeit an diesen Übergängen zu erhöhen. Die Lehrpersonen müssten genau wissen, was die Kinder können und was nicht. «Die PH Zürich und andere Institutionen haben Modelle für die Aus- und Weiterbildung entwickelt, wie auf diese Situation reagiert werden kann.» Zum Beispiel besuchen Sekundarlehrerinnen und -Lehrer Primarschulklassen, um die Methodik und Pädagogik der Primarschule kennenzulernen, sagt der Dozent der PH Zürich. Ein weiterer bedeutender Punkt in der Entwicklung von Massnahmen ist die Einführung von Sprachstandards schon auf den unteren Stufen der Schulen. Auch Sprachportfolios, in denen die Schülerinnen und Schüler selbständig ihren Wissensstand dokumentieren, sind ein Thema.
Der Übergang von der Mündlichkeit in die Schriftlichkeit
Mit dem Aufkommen der digitalen interaktiven Medien erhält die schriftliche Kommunikation im beruflichen Alltag eine immer bedeutendere Rolle. Es bilden sich neue Textarten, mit denen eine Verwendung von ungewohnter, so genannt konzeptioneller Mündlichkeit einhergeht – also Abkürzungen, stichwortartige Kommunikation, informeller Schreibstil in E-Mails, Chat, SMS usw. In welcher Weise neue Medien den Sprachgebrauch verändern, wie dies im Unterricht genutzt und reflektiert werden soll und was neue Medien für die Entwicklung von Schreibfähigkeiten leisten, darüber wird Katrin Lehnen, Professorin für Germanistische und Medien- und Sprachdidaktik an der Universität Giessen in ihrem Vortrag am Donnerstagabend referieren.
«In der Schriftlichkeit entstehen neue Mischformen. Auf diese Entwicklungen sollte man im Unterricht kompetent eingehen», erläutert Eva L. Wyss, Sprachwissenschaftlerin und Geschäftsführerin des ZHSF, «Übergänge zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit, zwischen Medien oder zwischen Regionen beeinflussen die sprachlichen Normen so, dass ein ganzes Spektrum an Formulierungen möglich wird. Dies führt bisweilen zu Irritationen und Unsicherheiten in der Beurteilung. Darf man beispielsweise die Formulierung «weil das gefällt mir» stehen lassen? Solche Fragen der Akzeptabilität von Formulierungen sollen am VALS ASLA Kolloquium diskutiert werden.»
Unter dem Titel «Welches Deutsch vermitteln wir?» wird Susanne Günthner, Sprachwissenschafts-Professorin an der Universität Münster, alltägliche Sprachrealität beleuchten. Was ist die deutsche Standardsprache? Wer spricht sie? Und wie geht man mit Abweichungen von der Standardsprache um? Diesen Fragen geht Susanne Günthner in ihrem Referat am Freitagnachmittag nach. Das Ziel ist, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um die professionelle Handlungskompetenz von Lehrkräften und anderen Profis im Umgang mit Sprache zu verbessern.
Die Vereinigung für Angewandte Linguistik in der Schweiz, VALS-ASLA, fördert die Sprachwissenschaft als Leitwissenschaft kommunikationsbasierter Kultur. Sie vernetzt Linguistik und Nachbardisziplinen, Wissenschaft und Praxis, Forschung in der Schweiz und in der Welt. Die VALS-ASLA ist die Schweizer Landesgesellschaft der Association Internationale de Linguistique Appliquée AILA.
Die VALS-ASLA versteht sich als ein Forum für Austausch und Information im Bereich der angewandten Linguistik. Sie organisiert Tagungen, ermöglicht Kontakte, ermuntert zur Zusammenarbeit innerhalb der Schweiz und über die Grenzen hinaus.
Die VALS-ASLA fördert die Entwicklung der angewandten Sprachwissenschaft in der Schweiz, behandelt Themen, die für die Sprachensituation und die Sprachenpolitik in der Schweiz von Bedeutung sind, und arbeitet mit anderen interessierten Kreisen und Organisationen zusammen.
Redaktion
Christoph Hotz, Kommunikation, Tel. +41 (0)43 305 55 18, christoph.hotz@phzh.ch
Weitere Informationen
Prof. Dr. Daniel Stotz, Fremdsprachendidaktiker an der PH Zürich, Tel. +41 (0)43 305 64 42, daniel.stotz@phzh.ch
Dr. Eva Wyss, Sprachwissenschaftlerin und Geschäftsführerin des ZHSF, eva.wyss@zhsf.ch,
Tel. +41 (0)43 305 66 15
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